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Länderprofil China

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Die Perfidität sowie Absurdität der chinesischen Tabakpropaganda kennt keine Grenzen. Die großen staatlichen Tabakunternehmen sponsern Grundschulen genauso wie Studien zur Schädlichkeit von Tabak. So sind die Schüler der Qnighai-Tabak-Hoffnung Grundschule wohl die Tabakforscher von morgen, denn „Tabak hilft dir, erfolgreich zu sein“.

Superlative1

Beim Thema Tabakanbau hält China einige Superlative bereit. So besitzt es flächenmäßig das größte Anbaugebiet für Tabak weltweit und erwirtschaftet damit fast die Hälfte der gesamten jährlichen Tabakernte2. Fast der gesamte in China produzierte Tabak wird auch in China konsumiert. Nur 5 Prozent des in China produzierten Tabaks werden exportiert. Etwa 325 Millionen Raucher_innen konsumieren in China jährlich mehr als ein Drittel der globalen Zigarettenproduktion. 2007 waren das unvorstellbare 2.163 Milliarden Zigaretten. Der umfangreichste Zigarettenhandel weltweit ist das chinesische Staatsmonopol. Die Tabaksteuern in China machen rund 10 Prozent der gesamten Steuereinnahmen aus3. Dennoch sind Tabakprodukte im chinesischen Einzelhandel so günstig, dass auch die ärmsten Chines_innen ihren Tabakkonsum mühelos finanzieren können. Eine Schachtel der populärsten chinesischen Zigarettenmarke kostet 1.92 Internationale Dollar4.

Ein neuer Markt für westliche Konzerne

Auf Druck der Welthandelsorganisation (WTO), der China 2001 beigetreten ist, öffnet China seine Märkte für den internationalen Tabakhandel. Die gesellschaftliche Akzeptanz des Rauchens und das Fehlen von Nichtraucherschutzgesetzen und Werbeverboten5 machen den chinesischen Markt ungemein attraktiv als Absatzmarkt für multinationale Tabakkonzerne.

In China werden hauptsächlich Eigenmarken vertrieben, beispielsweise Derby und Zhong Nan Hai. Die meisten chinesischen Marken zeichnen sich durch einen relativ starken Nikotin- und Teergehalt aus. Obwohl westliche Markenzigaretten als Statussymbol gelten, genügt dies nicht, damit sich die ausländischen Zigarettenhersteller gegenüber den einheimischen Produkten durchsetzen können. Ausländische Unternehmen versuchen in Form von Joint Ventures ihren Platz auf dem chinesischen Markt zu behaupten, dabei erzielt das chinesische Staatsmonopol aber immer auch anteilig Gewinn.

Tabak hilft dir, erfolgreich zu sein

Dieser Satz steht an einer Grundschule in Szechuan. Die Tabakwerbung in China grenzt in ihrer Perfidität häufig an Zynismus. So sponsert die Tabakindustrie Universitäten und Schulen; diese tragen dann Namen wie Qnighai-Tabak-Hoffnung Grundschule oder Lianing Grundschule für guten Tabakhandel6. Eine andere Werbemasche versetzt uns zurück in das Amerika der 60er Jahre, wo Mann, Frau und Kind am Glimmstängel hängen und das dralle Pin-Up auf der liebevoll gestalteten Plakatwerbung verspricht, dass selbst Ärzte Camel rauchen. Das chinesische Tabakforschungsinstitut in Zhengzhou, das dem chinesischen Tabakkonzern CNTC (China National Tobacco Corp) gehört, veröffentlicht regelmäßig Studien zu Tabakkonsum, die diesem den Schrecken der Tödlichkeit nehmen sollen. 2009 finanzierte die nationale Tabakindustrie die Tabakforschung mit 33 Millionen Euro. Die Strategie geht leider auf: laut einer Umfrage, die für die WHO vom chinesischen Gesundheitszentrum CDC  im Jahr 2010 durchgeführt wurde, hielten 86 Prozent der Befragten Zigaretten mit “wenig Teer” für weniger schädlich als andere Marken.7

Mangelnde Kontrolle

Aber auch in China ändert sich das Verhalten der Regierung sowie die Einstellung der Gesellschaft zum Rauchen. Immerhin sterben in dem bevölkerungsreichen Land mehr als 1,2 Millonen Menschen jährlich8 an den Folgen des Zigerettenkonsums. Im Jahr 2005 ratifizerte China die Tabakkontroll-Konvention der WHO (FCTC) und verpflichtet sich damit ebenfalls, keine Zigarettenautomaten mehr aufzustellen und ein Tabakwerbeverbot durchzusetzen. Fernseh- und Radiowerbung wurden verboten, genauso wie das Sponsoring von Sportereignissen. Inzwischen haben auch viele chinesische Großsdtädte Rauchverbote installiert, die allerdings schlecht eingehalten und faktisch gar nicht kontrolliert werden.9

Weitere Informationen über Tabakproduktion und -konsum in China sind der Asien-Studie Doppelte Standards – Big Tobacco in Asien (pdf) zu entnehmen.

  1. Im Folgenden: Shafey,Omar/ Eriksen, Michael/ Ross, Hana/ Mackay, Judith (2009): Tobacco Atlas. Online abrufbar unter http://www.tobaccoatlas.org/downloads/TobaccoAtlas_sm.pdf
  2. Der Anteil an der Weltproduktion beträgt 37,87 %.
  3. World Health Organisation (2008): WHO Report on the Global Tobacco Epidemic. The MPOWER package.
  4. International Dollars: Von der Weltbank kalkulierte internationale Vergleichswährung auf Basis von Kaufkraftparitäten, um unabhängig von Wechselkursschwankungen die Vergleichbarkeit von internationalen Erhebungen und Kapitalbewegungen zu gewährleisten.
  5. World Health Organisation (2008): WHO Report on the Global Tobacco Epidemic. The MPOWER package.
  6. Siehe: http://www.chinahush.com/2010/01/20/elementary-schools-named-after-tobacco-industry-in-china/ zuletzt besucht am 13.03.2012, 13.41 Uhr
  7. Siehe: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/china-wie-die-tabakindustrie-die-wissenschaft-unterwandert-1.1256776-2 zuletzt besucht am 13.03.2012, 13.59 Uhr
  8. Siehe: http://german.china.org.cn/china/2010-06/01/content_20162588.htm
  9. Weber, Jürgen (2012): Doppelte Standards: Big Tobacco in Asien. online abrufbar http://www.unfairtobacco.org/wp-content/uploads/Doppelte-Standards-Big-Tobacco-in-Asien.pdf zuletzt besucht am 13.03.2012, 12.45 Uhr