Tabak schädigt die Umwelt auf vielen Wegen: Chemikalien im Saatbeet und auf den Feldern, Waldabholzung für die Trocknung der grünen Tabakblätter und schließlich giftige Zigarettenkippen aus Plastik.

Gift pur

Wie bei anderen Monokulturen werden für Tabak sehr viele Chemikalien gegen Pflanzenschädlinge, Pilzbefall und Unkraut eingesetzt. Manche sind so giftig, dass 0,01 Gramm für Menschen tödlich sind. Sie sind krebserregend, schädigen das Erbgut und vergiften Luft, Wasser und Erde. Sie sind sogar im Regenwasser wieder zu finden. Drei Beispiele verdeutlichen die Gefahren für alle Menschen in Tabakanbaugebieten.

Zur Bodendesinfektion wird häufig Chlorpikrin verwendet. Die Chemikalie ist sehr giftig für die Atemwege und kann zum Tod durch Ersticken führen. Im Ersten Weltkrieg wurde es als Giftgas verwendet. In der EU ist der Giftstoff seit 2011 verboten.

Das Pestizid 1,3-Dichlorpropen ist sehr giftig für die Haut, die Augen, die Atemwege und die Fortpflanzungsorgane. Der Stoff geht leicht ins Grundwasser über und ist in der EU seit 2008 verboten.

Das Herbizid Glyphosat ist laut WHO Krebsbehörde wahrscheinlich krebserregend. Es kann zu Fehlgeburten und Fehlbildungen bei Neugeborenen führen und wird für das weitverbreitete Bienensterben verantwortlich gemacht. In der EU wird seit Jahren kontrovers über ein Verbot diskutiert.

Die Pestizide und anderen landwirtschaftlichen Chemikalien wie Düngemittel werden aus den Feldern in nahegelegene Wasserläufe ausgewaschen und gelangen ins Grundwasser, zum Teil sogar in die Meere. Die größtenteils irreversiblen Folgen müssen alle Menschen in Tabakanbaugebieten tragen, denn so ist ihr Zugang zu sicherem Trinkwasser stark gefährdet.

Trocknen überm Holzfeuer

Für die beliebten American-Blend-Zigaretten werden weltweit 200.000 Hektar Naturwald jährlich zerstört. Denn der Hauptbestandteil dieser Mischung ist Virginia-Tabak, für dessen Trocknung Feuerholz benötigt wird. Da die Tabakbäuerinnen und -bauern keine dafür angelegten Holzplantagen besitzen, müssen sie das Holz aus den Wäldern holen.

Virginia-Tabak wird im so genannten flue curing-Verfahren getrocknet. Eine Woche lang hängen die grünen Blätter in Schuppen über heißen Röhren. Damit die Luft im Schuppen durchgehend die geeignete Temperatur hat, werden die Röhren rund um die Uhr durch Holzfeuer erhitzt.

Da Tabak außerdem viele Nährstoffe benötigt, sind die Böden schon nach zwei bis drei Jahren ausgelaugt. Deshalb werden für die Erschließung neuer Felder zusätzlich Wälder abgeholzt, zum Beispiel in Tansania.

Die größte Zerstörung der Umwelt zeigt sich im Miombo-Trockenwaldgebiet in Südostafrika. In Ländern wie Malawi, Tansania, Sambia und Simbabwe verschwinden mit dem Wald die Tiere. Es gibt weniger Regen in der Region, der Boden ist schutzlos gegenüber Erosion. Alle Menschen in der Region, nicht nur die Tabak anbauenden Familien, verlieren ihre Lebensgrundlagen.

Die Abholzung ist auch für den globalen Klimawandel bedeutsam: Vormals speicherte der natürliche Wald CO2. Nun fehlt nicht nur dieser Speicher, sondern durch die Holzverbrennung für das Auftrocknen wird zusätzlich CO2 in die Atmosphäre freigesetzt.

Giftiger Plastikmüll

Auch durch die Abfallprodukte des Rauchens wird die Umwelt zerstört. Zum einen fällt eine große Menge an Verpackungsmüll aus Zellophan an. Zum anderen aber – und das ist das größere Problem – Zigarettenkippen.

Die Zigarettenfilter bestehen Zelluloseacetat, einem Kunststoff, und zerfallen nur langsam. Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass Zigarettenfilter nicht den vollständig biologisch abbaubar sind. Es handelt sich also um Plastikmüll. Weltweit werden drei Viertel der gerauchten Zigaretten achtlos weggeworfen – das sind etwa. 4,5 Millionen Kippen.

Zigarettenkippen enthalten aber auch viele toxische, krebserregende Substanzen aus dem Rauch, wie beispielsweise Arsen, Blei und natürlich Nikotin. Diese Substanzen gelangen zusammen mit den Kippen in die Flüsse, ins Grundwasser und in die Meere. Meerestiere verwechseln die Kippen häufig mit Futter, vergiften sich daran oder verhungern, da ihr Magen voll mit nicht verdaulichem Plastik ist.

Eine Laborstudie zeigte, dass die Auswaschungen einer einzigen Zigarette in einem Liter Wasser für die Hälfte der Meeres- und Süßwasserfische tödlich ist.

Jährlich werden mindestens 200.000 Hektar Wald für Anbau und Trocknung von Tabak abgeholzt