Im September 2015 beschloss die UN-Generalversammlung die 2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung. Darin sind auch die 17 Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) enthalten, welche die Weltgemeinschaft bis zum Jahr 2030 erreichen will.

Wir haben die Produktions- und Konsumkette von Tabak auf deren Folgen für eine Nachhaltige Entwicklung untersucht.

Nachhaltige Entwicklung

Schon 1987 hieß es im Brundtland-Bericht: „Eine dauerhaft nachhaltige Entwicklung muss die Rechte und Bedürfnisse der Gegenwart befriedigen, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen diese nicht mehr befriedigen können.“ In weiteren Diskussion um den Begriff wurden drei Grundpfeiler der Nachhaltigkeit bestimmt.

  • Ökologie: Kein Raubbau an der Natur
  • Ökonomie: Gesellschaft soll nicht über ihre Verhältnisse leben
  • Soziales: Generationen-, Geschlechter- und Verteilungsgerechtigkeit

Mit dem Beschluss der 2030-Agenda verpflichten sich alle Staaten dazu, ihre Politik auf die Zielsetzungen einer nachhaltigen Entwicklung auszurichten. Im Gegensatz zu den Milleniums-Entwicklungszielen gilt die 2030-Agenda für alle Staaten, nicht nur für Niedrig- und Mitteleinkommensländern im Globalen Süden. Deutschland ist damit ein Entwicklungsland.

17 Ziele miteinander verbunden

In der 2030-Agenda werden 17 Nachhaltige Entwicklungsziele (SDGs) mit 169 Unterzielen aufgelistet. Die hohe Anzahl an Zielformulierungen zeigt die Komplexität des Beschlusses und ist das Ergebnis eines mehrjährigen weltweiten Diskussionsprozesses.

Tabak ist ein gutes Beispiel, um die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Zielen darzustellen.

 

Ausgangspunkt Gesundheit

Die 2030-Agenda benennt als Ziel Nummer 3 die Gesundheit:

SDG 3: Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern

Der Konsum von Tabak ist der größte vermeidbare Risikofaktor für nicht übertragbare Krankheiten (Non communicable Diseases, NCDs) wie Herz- und Kreislauferkrankungen, Lungenkrankheiten, Krebs und Diabetes. Weltweit sterben jedes Jahr 7 Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.

Als wichtigstes Mittel, um das Ziel 3 zu erreichen, wird das Rahmenabkommen zur Tabakkontrolle der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization Framework Convention on Tobacco Control, WHO FCTC) genannt.

Armut und Hunger

Tabakkonsum kostet Geld. Diese Kosten treffen in Industrieländern ebenso wie in Ländern des Südens vor allem ärmere Bevölkerungsteile. Im Jahr 2015 verwendeten arme Haushalte in Indonesien etwa 7,5% ihrer Haushaltsausgaben für Zigaretten, etwa so viel wie für Wohnraum. Dagegen wurden für Bildung nur 1,8% der Ausgaben eingesetzt.

SDG 1: Armut in all ihren Formen und überall beenden
SDG 2: den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern

Grafik Tabakanbau und UnterernährungIm Tabakanbau arbeiten weltweit mehr als 17 Millionen Menschen, vor allem in Niedrig- und Mitteleinkommensländern. Viele kleinbäuerliche Betriebe haben Schwierigkeiten, vom Tabakanbau zu leben.

Tabakanbau steht in Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln. Unter den Top 10 der Tabak produzierenden Länder haben sechs einen bedeutenden Bevölkerungsanteil, der unterernährt ist. Würden dort statt Tabak Nahrungsmittel angepflanzt, könnten mehr als zehn Millionen Menschen ernährt werden.

 

Globale Partnerschaft

Die Wiederbelebung einer globalen Partnerschaft ist ein breit angelegtes Ziel, das in Bezug auf Tabak einige Fallstricke bereit hält.

SDG 17: Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung mit neuem Leben füllen

Die Verfolgung von Zielen wie beispielsweise die Steigerung der Exporte (17.11) oder die Erweiterung von duty-free Märkten (17.12) ist kontraproduktiv in Bezug auf Tabak, dessen Konsum bei bestimmungsgemäßem Gebrauch für die Hälfte der Nutzer*innen tödlich ist.

Philip Morris vs. UruguayDoch der Kern des Ziels – die globale Partnerschaft zu erneuern – ist für Tabakkontrolle enorm wichtig. Unter dem Dach der WHO FCTC wird schon seit zehn Jahren eine globale Partnerschaft praktiziert, die gerade durch den internationalen Austausch von Wissen, Erfahrung und Technologien große Fortschritte für die Reduzierung des Tabakkonsums bewirkt. Eine erfolgreiche globale Partnerschaft agierte im Schiedgerichtsverfahren zwischen Uruguay und Philip Morris International für Tabakkontrolle.

 

Bildung

Weltweit ist der Anteil an Raucher*innen in Bevölkerungsteilen mit geringem sozio-ökonomischen Status am höchsten, das heißt, die Bildung ist einer der Faktoren, die das Rauchverhalten beeinflussen. Das gilt für Niedrig- und Mitteleinkommensländer genauso wie für Hocheinkommensländer.

Geld, das für Tabakprodukte ausgegeben wird, steht nicht für andere Dinge zur Verfügung, in Niedrig- und Mitteleinkommensländern geht dies häufig auf Kosten von Bildung. Hier wird ein Generationenkonflikt sichtbar: Die Sucht der Eltern beeinträchtigt die Zukunftschancen der Kinder.

SDG 4: Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern

In Tabakanbauländern arbeiten häufig Kinder auf den Feldern mit, denn die kleinbäuerlichen Betriebe sind von multinationalen Konzernen wirtschaftlich abhängig. Für Kinder ist Tabakanbau besonders gefährlich und beeinträchtigt das Recht der Kinder auf Bildung und Freizeit stark. Dabei ist eine gute Ausbildung notwendig, um den Armutskreislauf und die Abhängigkeit der Bauernfamilien von Tabakfirmen zu durchbrechen.

Grafik Unfairtobacco, SDG-Factsheet Tabak | BildungDer Tabakweltmarkt umfasst viele Akteure und ist komplex. Die Auswirkungen von Tabakanbau und Tabakkonsum sind vielfältig. Die Möglichkeit des fairen Handels ist bei diesem Produkt keine Lösung. So nutzen wir in unserer Bildungsarbeit zu Nachhaltiger Entwicklung den Tabak als Beispiel und fördern gleichzeitig die Suchtprävention.

 

Menschenwürdige Arbeit

Jedes Jahr sterben weltweit 886.000 Menschen an den gesundheitlichen Folgen von Passivrauch. Fast die Hälfte dieser Todesfälle, nämlich 433.000 Tote, sind darauf zurückzuführen, dass Menschen an ihrem Arbeitsplatz Passivrauch ausgesetzt waren. Das entspricht etwa 20% der weltweit 2,3 Millionen Todesfälle, die durch berufliche Risiken verursacht werden. Rauchfreie Arbeitsplätze sind deshalb ein Beitrag der Tabakkontrolle, um die SDGs 3.4 (30% weniger Todesfälle aufgrund von nicht-übertragbaren Krankheiten) und 8.8 (sichere Arbeitsumgebung für alle) zu erreichen.

SDG 8: Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern

Grafik, SDG-Factsheet Tabak | menschenwürdige Arbeit, PassivrauchWeltweit arbeiten mehr als 17 Millionen Menschen im Tabakanbau, vor allem in Niedrig- und Mitteleinkommensländern mit geringen Arbeitsstandards. Tabakanbau ist geprägt vom intensiven Einsatz von Chemikalien. Daher sind Arbeitsunfälle wie Vergiftungen weit verbreitet. Darüber hinaus ist enthält die Tabakpflanze das Nervengift Nikotin, daszu einer akuten Nikotinvergiftung, der Grünen Tabakkrankheit, führen kann. In diesem Kontext ist die weit verbreitete Kinderarbeit im Tabakanbau besonders besorgniserregend.

 

Weitere Ziele

In diesem Jahr werden wir weitere Zusammenhänge zwischen dem Ziel 3 (Gesundheit) und den Zielen 14 (Schutz der Meere) und 15 (Schutz von Wäldern) erklären.

„Eine dauerhaft nachhaltige Entwicklung muss die Rechte und Bedürfnisse der Gegenwart befriedigen, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen diese nicht mehr befriedigen können.“ Brundtland Bericht 1987