Malawi erlebt die schwerste Krise seit Ende der Diktatur im Jahr 1994. Einer der Auslöser ist die Abhängigkeit des Landes vom Tabak.
Berlin, 16. August 2011 | Zivilgesellschaftliche Organisationen und die führenden Oppositionsparteien in Malawi haben zu landesweiten Protesten am 17. und 18. August aufgerufen. Sie demonstrieren unter anderem gegen das harte Vorgehen der Regierung bei Protesten im Juli, bei denen 19 Menschen ums Leben gekommen waren. Malawi steckt seit Monaten in einer schweren Wirtschaftskrise, die vor allem auf den Einbruch der Tabakpreise zurückzuführen ist. In dem ostafrikanischen Land, das mehr als jedes andere vom Tabak abhängt, lassen die fehlenden Devisen Bildungs- und Sozialprogramme sowie die Versorgung mit Treibstoff zusammenbrechen.
Über die Hälfte der Tabakernte wiesen die Rohtabakfirmen bei den diesjährigen Auktionen zurück. Der Preis pro Ballen fiel auf weniger als die Hälfte des Erwarteten. Die Begründung der Unternehmen: Überproduktion. Die malawische Tabak-Kontrollkommission ist sich hingegen sicher, dass die Firmen gute Gewinne einfahren. Und Malawis Präsident Bingu wa Mutharika empörte sich: „Diese Anbaupflanze ist für das ganze Land wichtig. Wenn ihr 70 Prozent der Ernte zurückweist, was habt ihr vor? Unsere Wirtschaft zu zerstören?“
Mutharika selbst geht allerdings nicht gegen die Rohtabakfirmen vor, die schon seit Jahren wegen Kartellbildung und Preisabsprachen in der Kritik stehen. Er unterdrückt vielmehr die wachsende Protestbewegung, die schon seit Monaten die Missstände im Land öffentlich anprangert: So verbot er schon am 14. Februar eine Demonstration und ließ führende Menschenrechtler_innen kurzzeitig festnehmen.
Seit Juni wird das Benzin immer knapper. Das staatliche Subventionsprogramm für den Maisanbau, das der Bevölkerung seit 2004 relativen Wohlstand garantiert hatte, wurde gekürzt. Ohne Deviseneinnahmen kann die Regierung es nicht mehr finanzieren. 70 Prozent dieser Einnahmen stammen aus dem sozial wie ökologisch extrem schädlichen Tabakanbau. Und die Geberländer fahren wegen der Menschrechtsverletzungen ihre Hilfen zurück. Kondwani Munthali von der Organisation Smoke Free Malawi kommentiert: „Der Tabak hat Malawi auf allen Ebenen im Stich gelassen. Die Regierung sieht das nicht ein.“
Die Protestierenden auf Malawis Straßen wünschen sich eine Regierung, die für ihre Interessen eintritt. Ihre Hoffnungen in Präsident Mutharika haben sie schon aufgegeben.
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