Tabakanbau
Tabak ist eines der ältesten Anbauprodukte, er wurde schon vor 3000 Jahren von den Mayas kultiviert. Heute handelt es sich bei Tabak um eines der arbeitsintensivsten Anbauprodukte, ca. 100 mal arbeitskräfteintensiver als der Anbau von Weizen. Besonders in den letzten Jahrzehnten wurde die Produktion des "braunen Goldes" in die Länder des Südens verlagert.
Allgemeine Informationen über die Pflanze und ihre Geschichte
Der Anbau von Tabak ist keine leichte oder günstige Angelegenheit. Erst das Ungleichgewicht von Produktionskosten, die möglichst gering gehalten werden, und der "Vergoldung" durch den Konsumenten macht das "braune Gold" zum lukrativen Geschäft für einige wenige.
Ursprünglich kam die Pflanze aus Mittelamerika, genauer gesagt von der Halbinsel Yucatán. Die Maya begannen bereits vor rund 3000 Jahren damit, Tabak zu kultivieren, auch das Rollen und Rauchen der nikotinhaltigen Blätter war in dieser frühen Hochkultur üblich. Durch die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus kam die Pflanze nach Europa und war hier zuerst nur Zierpflanze. Später wurden Zigarren, Pfeifen und Kautabake modern. Diese wiederum wurden Anfang des 20. Jahrhunderts von der Zigarette überholt.
Tabak (Nicotiana) gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), der auch u.a. Kartoffel, Tomate, Paprika, Auberginen, Chili, Stechapfel, Alraune und Tollkirsche angehören. Von insgesamt ca. 3000 verschiedenen Nachtschattenarten produziert vorwiegend Tabak Nikotin.
Nikotin ist ein Alkaloid, dass die Tabakpflanze in ihren Wurzeln bildet und in den Blättern einlagert. Alkaloide sind natürliche organische, meist alkalische, stickstoffhaltige Gifte. Einige finden in der Medizin Verwendung, andere sind als Droge bekannt.
Zur Gattung Nicotiana gehören ca. 65 verschiedene Arten. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Größe, Blütenform und -Farbe sowie Nikotingehalt und dem Zuckeranteil in den Blättern. Als Nutzpflanze sind heute nur noch zwei Arten bedeutend: Nicotiana Tabacum (sog. Virginischer Tabak) und Nicotiana Rustica (sog. Bauerntabak), die jedoch nur noch selten angebaut wird.
Innerhalb dieser zwei Arten sind bis zu 600 verschiedene Sorten und Kreuzungen zu finden. Je nach Bodenbeschaffenheit und Klima des Anbaugebietes ergeben sich weitere Besonderheiten in der "Qualität" des angebauten Tabaks. Auch die Auftrocknung der Tabakblätter trägt weiter zur Individualität der späteren Rauchtabake bei. So kommt es dann zu den verschiedenen Tabaksorten wie Virginia-, Burley-, Orient-, Maryland- Tabak.
Einzelne Schritte des Tabakanbaus
Tabak unterscheidet sich von anderen Nutzpflanzen besonders durch einen hohen Arbeitsaufwand im Anbau. Agrarökonomen sprechen von einer 100mal höheren Arbeitskräfteintensität als beispielsweise der Anbau von Weizen erfordert.1
Die gerade mal einen halben Millimeter großen und nikotinfreien Samenkörner werden zunächst auf gesonderte Saatbetten gesetzt. Nach zwei bis drei Wochen müssen die kleinen Pflänzchen "pikiert" werden, das heißt, die Keimlinge werden in einen größeren Abstand gepflanzt. Nach weiteren 6-8 Wochen können die kleinen Pflänzchen auf das eigentliche Feld gesetzt werden.
Auch in der nächsten Zeit benötigen die Pflanzen aufwändige Pflege: Der Boden wird, damit die Wurzeln genügend Sauerstoff bekommen, regelmäßig aufgelockert; Erde wird zur Förderung von nikotinbildenden Wurzeln an den Pflanzenstämmen "angehäuft"; und natürlich muss umfangreich Unkraut gejätet werden.
Da Tabak viele Nährstoffe benötigt, wird synthetischer Dünger eingesetzt. Außerdem werden unterschiedliche Pestizide und Fungizide verwendet um die Folgen der Monokultur einzudämmen und die Pflanzen bestmöglich vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen (siehe: Pestizide).
Sobald sich im weiteren Anbauverlauf Blüten bilden, werden diese abgeschnitten, also "geköpft", damit mehr Nähr- und Reservestoffe in die Blätter gelangen.
Nun bildet die Tabakpflanze vermehrt Seitentriebe bei welchen die Gefahr der Blütenbildung besteht, weshalb diese "gegeizt", also abgeschnitten werden. Gerade das Geizen ist arbeitsintensiv, da es bis zur Ernte mehrmals wiederholt werden muss.
Nach ca. drei Monaten kann das erste Mal geerntet werden. Da die Pflanze zuerst in den untersten Blättern Nikotin einlagert, wird die Ernte von unten nach oben vollzogen. Jedes zu erntende Blatt wird von kundiger Hand geprüft und einzeln geerntet. Die weiteren Blätter folgen in den nächsten vier bis sechs Wochen. Eine Pflanze liefert auf diese Weise rund 20 Tabakblätter.
Nach der Ernte werden die grünen Tabakblätter aufwendig getrocknet (siehe Artikel) bis sie als Rohtabak der weiterverarbeitenden Zigarettenindustrie genügen.
Keine Maschine wird die Fingerfertigkeit nachahmen können, die Menschen vor allem in Mittel- und Niedrigeinkommensländern bei der Tabakernte an den Tag legen, da jedes Blatt nach Reifegrad einzeln gepflückt wird, danach einzeln aussortiert und an Leinen aufgefädelt zum Trocknen aufgehängt werden muss. Dabei birgt der Anbau für die Bauern aufgrund der Pestizide, Fungizide und Dünger ein hohes Gesundheitsrisiko. Auch die Green Tobacco Sickness ist eine weitere Gefahr für die Gesundheit der Arbeitskräfte.
Verlagerung der Produktion
Trotz all dieser Nachteile im Anbau ist Tabak "das führende nicht essbare Agrarprodukt"2: Tabakanbau erfolgt in rund 120 Ländern weltweit. Kaffee wird vergleichsweise nur in rund 60, Tee in 40, Jute in 25 Ländern angebaut.
Tabak ist eine sehr anpassungsfähige Pflanze. Sie kann nahezu im gesamten Bereich zwischen 38° südlicher Breite und 56° nördlicher Länge kultiviert werden. Sogar in Deutschland (z. B. in Baden-Württemberg) wird Tabak angebaut.
Bis ins 20. Jahrhundert waren drei Viertel der kommerziellen Tabakproduktion auf einige Länder an der Ostküste Nordamerikas, Mittelamerikas und im nördlichen Südamerika beschränkt.
Besonders in den Niedrig- und Mitteleinkommensländern der tropischen und subtropischen Landschaftszonen in Afrika, Lateinamerika und Asien, also in den Schwellen- und Entwicklungsländern des Südens, nimmt der Tabakanbau beständig zu. 1960 wurde so schon knapp über die Hälfte des Welttabaks in der sogenannten "Dritten Welt" erzeugt. Zu Anfang des 21. Jahrhundert liegen fast 90% der Anbauflächen in den Ländern des Südens. Ist im Zeitraum 1961-2002 die Anbaufläche in der sogenannten "Ersten Welt" um 60% gefallen, stieg sie in derselben Zeitspanne in der sogenannten "Dritten Welt" um ca. 60%. In manchen Ländern gibt es noch dramatischere Beispiele für den Anstieg: So ist in Malawi die Anbaufläche im selben Zeitraum um 192% und in Tansania sogar um unglaubliche 556% gestiegen.3
Der Profit bleibt jedoch dort, wo sich die Konzernzentralen der multinationalen Großindustrie befinden, nämlich in der sogenannten "Ersten Welt".
Quellen:
Geist, Heller, Waluye, 2004: Rauchopfer- Die tödliche Strategie der Tabakmultis. Horlemann Verlag Bad Honnef Seite 83ff
Geist 1998. Tropenwaldzerstörung durch Tabak. Eine These erörtert am Beispiel afrikanischer Miombowälder. Geographische Rundschau. Vol. 50 (5): Seite 283-290
Geist 1998: Das Bergland von Namwera. Eine Fallstudie über Landdegradierung, Gemeinheitsteilung und braunes Gold. GAIA- Ökologische Perspektiven in Natur-, Geistes und Wirtschaftswissenschaften. Vol. 4: 255-264
Tobacco Atlas, World Health Organisation (WHO), 2006
Tobacco Free Kids 2001: Golden Leaf, Barren Harvest. The Costs of Tobacco Farming. Washington. Download: tobaccofreekids.org/campaign/global/FCTCreport1.pdf
Weltbank 1999: Der Tabakepidemie Einhalt gebieten.Regierungen und wirtschaftliche Aspekte der Tabakkontrolle. Washington, DC. Download: www1.worldbank.org/tobacco/pdf/Deutsche%20Version.pdf
Wikipedia Deutschland: www.wikipedia.de
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1 Geist, Heller, Waluye, 2004: Rauchopfer- Die tödliche Strategie der Tabakmultis. Horlemann Verlag Bad Honnef Seite 90
2 ebd., S.85
3 ebd., S.86