Ökologische Folgen des Tabakanbaus
Tabak entzieht dem Boden in kurzer Zeit sehr viele Nährstoffe. Um dieses Nährstoffdefizit auszugleichen und Schädlingen vorzubeugen, wird der Anbau von einem hohen Einsatz von Chemikalien begleitet, der Anbau im Wechsel mit anderen Feldfrüchten betrieben bzw. regelmäßig fruchtbares Land, meist Waldland neu gerodet.
Der Aufwand, den Tabakpflanzer beim Anbau und der Verarbeitung der Tabakpflanzen betreiben müssen, ist enorm hoch, da Tabak eine sehr anspruchsvolle und damit schwierig zu kultivierende Pflanze ist. Zwar stellt sie kaum Ansprüche bezüglich Lage, Klima und Anbauzeiten, jedoch entzieht sie dem Boden in kürzester Zeit die vorhandenen Nährstoffe. Auch hinsichtlich Ernte und Veredelung bedarf es großen Aufwand.
Nährstoffentzug
Besonders die Extraktion der Bodennährstoffe wie Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) ist sehr hoch. Nahrungspflanzen wie Reis, Mais oder Hirse entziehen dem Boden lediglich ca. ein Fünftel der Nährstoffe, die die Tabakpflanze verlangt.
Stickstoff ist wichtig für das Wachstum, speziell aber für die grüne Farbe der Blätter sowie für die optimale Anreicherung der Blätter mit Nikotin. Phosphor treibt den Reifungsprozess voran und je mehr Kalium die Pflanze erhält, desto heller ist der Virginiatabak und die Brennbarkeit in der späteren Zigarette wird optimiert.
Pestizideinsatz
Um das oben beschriebene Nährstoffdefizit wieder auszugleichen und der Pflanze die notwendigen Nährstoffe zuzufügen, wird vermehrt NPK-enthaltender, synthetischer Dünger eingesetzt.
Auf Grund des hohen Nährstoffentzugs, der durch Monokultur noch verstärkt wird, werden Pflanzen und Böden anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Daraus resultiert eine weitere chemische Maßnahme, nämlich der Einsatz von Insektiziden und Fungiziden, die das optimale Pflanzenwachstum gewährleisten sollen. Typische Pilzkrankheiten bei Tabak sind Blauschimmel (Mehltau) sowie Braunfleckigkeit (Spickel); TMV (Tabakmosaikkrankheit) ist ein möglicher Bakterien- bzw. Virusbefall. Schädlinge wie die Wurzel-, Blatt- und Stengelnemathoden können weitere Schäden verursachen.
Tabak ist somit eine der am meisten pestizidbelasteten Anbaupflanzen. Rund 150 Chemikalien sind im Einsatz1 und etliche von ihnen sind in unserer so genannten "Ersten" Welt bereits seit langem verboten, darunter Aldrin, Lindan, DDT und Phosphorsäureester. Sie sind gesundheitsschädlich für Bauern, hinterlassen Rückstande in den Pflanzen und weitere Giftstoffe können in Boden und Grundwasser sickern.
"Tabak hinterlässt verwüstete Landschaften"
Diese Dauerbelastung des kultivierten Bodens führt dazu, dass der Nährstoffhaushalt nach zwei bis drei Anbauperioden (ca. 2-3 Jahre) irreparabel zusammenbricht. Der Boden ist auf lange Zeit hinaus als Anbauareal unbrauchbar und neue Felder müssen angelegt werden. Das erfordert alsbald den Wechsel zu anderen, vor allem stickstoffmehrenden Feldfrüchten (wie z.B. Mais) oder die Rodung neuer Flächen. Falls Fruchtwechsel oder die Neurodung von fruchtbaren Waldböden ausbleiben, bleibt eine trockene, ausgelaugte Ödnis zurück, die nur noch wenig Lebensraum für Pflanzen, Menschen und Tiere bietet. Dazu kommt die massive Reduzierung des Baumbestandes um den Brennholzbedarf für die Auftrocknung des Grüntabaks zu sichern.
In den ohnehin schon semiariden Gebieten Mittel- und Südostafrikas führen die Folgen des Tabakanbaus zu einer schnell voranschreitenden Desertifikation, das heißt die Ausbreitung von wüstenähnlichen Verhältnissen.
Damit einher geht eine zunehmende Bodenerosion, also die Abtragung des Bodens durch Wind und Wasser. Durch diese Bodenverarmung beziehungsweise Bodenzerstörung wird zusätzlich ein Großteil der Basis für weiteres Pflanzenwachstum entzogen.
Afrika soll für diese Problematik nur als Beispiel dienen, auch in anderen Ländern wie etwa Brasilien hat der Tabakanbau Folgen für das Ökosystem.
Folgen
Die ökologischen und ökonomischen Folgen sind tiefgreifend und durchweg negativ. Der Miombogürtel ist seit Jahrtausenden ein entscheidender Faktor für das (Über)Leben und von Mensch und Tier in Mittel- und Südafrika.
Bot der Miombo einst einen nahezu unberührten Lebensraum für die unterschiedlichsten Tierarten (vom Elefanten und Löwen bis zum Schmetterling und der Biene), nimmt nun die Artenvielfalt und Individuenzahl markant ab. Auch außerhalb der Gebiete mit Tabakanbau leiden Natur, land- und forstwirtschaftliche Produktivität im Miombogürtel, da von hier oft über weite Strecken Holz für die Trocknung der grünen Blätter entnommen und abtransportiert wird.
So wird auch den Menschen in den umliegenden Regionen durch die Abhängigkeit von multinationalen Konzernen die Lebensgrundlage entzogen.
Gerade in Entwicklungsländern hat der Entzug der natürlichen Ressourcen, von Nahrung, Baumaterial sowie Wohnraum ob der kaum vorhandenen Ausweichmöglichkeiten schwerwiegende Folgen.
Der gezielte und weitreichende Eingriff des Menschen in dieses Ökosystem trifft am Ende eben diesen selbst. Einst optimal an den Lebensraum angepasste Siedlungsgebiete verändern ihr Gesicht und werden zu lebensfeindlichen Gebieten.2 Weitere negative Folgen für das regionale bzw. globale Klima sind nicht abzusehen.
Quellen:
Geist, Heller, Waluye, 2004: Rauchopfer- Die tödliche Strategie der Tabakmultis. Horlemann Verlag Bad Honnef Seite 83ff
Geist 1998. Tropenwaldzerstörung durch Tabak. Eine These erörtert am Beispiel afrikanischer Miombowälder. Geographische Rundschau. Vol. 50 (5): Seite 283-290
Geist 1998: Das Bergland von Namwera. Eine Fallstudie über Landdegradierung, Gemeinheitsteilung und braunes Gold. GAIA- Ökologische Perspektiven in Natur-, Geistes und Wirtschaftswissenschaften. Vol. 4: 255-264
2006: Tobacco Atlas, World Health Organisation (WHO), zu finden unter: www.who.int/tobacco/statistics/tobacco_atlas/en/
2001: Golden Leaf, Campaign Tobacco Free Kids, Washington DC zu finden unter: tobaccofreekids.org/campaign/global/FCTCreport1.pdf
2001: Golden Leaf, Barren Harvest: "Weltbank 1999: Der Tabakepidemie Einhalt gebieten. Regierungen und wirtschaftliche Aspekte der Tabakkontrolle. Download: www1.worldbank.org/tobacco/pdf/Deutsche%20Version.pdf
--------------
1 Geist, Heller, Waluye 2004: Rauchopfer- Die tödliche Strategien der Tabakmultis. Horlemann Verlag. Bad Honnef. Seite 124
2 siehe Linneweber (Hrsg.), 2001: Zukünftige Bedrohungen durch (anthropogene) Naturkatastrophen / Deutsches Komitee für Katastrophenvorsorge e.V. (DKKV); Seite 88