Green tobacco sickness

Gesundheitsrisiken bei der Tabakernte

Jeder hat schon einmal von der schädigenden Wirkung des Rauchens und des Passivrauchens gehört, die ja immer wieder diskutiert wird. Doch wie steht es um die gesundheitlichen Risiken der Menschen, die den Tabak ernten?

Seit den 70er Jahren ist bei Tabakarbeitern eine Krankheit bekannt, die den Namen Green tobacco sickness bekam. Die Betroffenen berichten von wenigen Stunden nach der Arbeit auf den Tabakfeldern einsetzenden Symptomen wie Schwächeanfällen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Bei manchen kommen noch Atemnot, Durchfälle, Blutdruckschwankungen, Herzrasen, verstärktes Schwitzen und Speichelfluss hinzu.

Die Krankheit ist vielleicht vergleichbar mit dem Unwohlsein, das viele nach ihrer ersten Zigarette haben, nur dass die Symptome meist deutlich stärker sind und einige Tage andauern.

Doch wie kann das Nikotin in den Körper der Arbeiter gelangen?

Dazu muss man wissen, dass Nikotin sowohl wasser- als auch fettlöslich ist und damit optimale Voraussetzungen hat, von der menschlichen Haut absorbiert zu werden. Sonst wären auch die bei uns zur Raucherentwöhnung eingesetzten Nikotinpflaster wirkungslos. Durch den Kontakt der bloßen Haut, z.B. an den Händen oder nackten Beinen, mit den Tabakblättern gelangt das Nikotin in den Körper der Arbeiter. Verstärkt wird dieser Effekt durch Feuchtigkeit (Regen, aber auch Morgentau), denn in Wasser gelöst kann das Nikotin die Haut noch leichter passieren. Außerdem wird dann die Aufnahmefläche meist vergrößert, da etwa ein von nikotinhaltigem Wasser durchfeuchtetes Baumwollhemd die darunter liegende Haut nicht schützt.

Wie kommt es zu den verschiedenen Wirkungen des Nikotins?

Nikotin ist einem Stoff sehr verwandt, der im menschlichen Körper an den Synapsen1 als Botenstoff wirkt. In niedriger Dosis wirkt es erregend, in hoher lähmend. Da wir überall im Körper Synapsen haben, kann das Nikotin an vielen Stellen angreifen und zu den verschiedenen Symptomen führen.

Was kann man gegen die Green tobacco sickness tun?

Das wichtigste ist, die weitere Aufnahme von Nikotin zu verhindern. Das heißt: gründlich waschen, saubere Kleidung anziehen, nicht wieder aufs Feld zurückkehren. Sollte es nötig sein, kann man darüber hinaus intravenös Flüssigkeit zuführen, Schmerzmittel und Medikamente gegen Übelkeit geben. Die Symptome dauern in der Regel nicht länger als einige Tage an.

Dennoch sollte man nicht vergessen, welche Auswirkungen es haben kann, wenn jemand, der vielleicht eine Familie zu ernähren und keine Versicherung hat, einige Tage lang nicht arbeiten darf und möglicherweise ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen muss.

Kann es auch zu Langzeitschäden kommen?

Die Green tobacco sickness an sich dauert nur einige Tage lang. Doch wenn man weiß, dass das Nikotin in den Körper gelangt, dann muss man davon ausgehen, dass es möglicherweise auch zu den Langzeitwirkungen kommt, die man von Rauchern kennt. Es ist also nicht auszuschließen, dass die Tabakernte für die Arbeiter ein erhöhtes Risiko darstellt, einmal Krebs zu entwickeln und bei schwangeren Frauen das Risiko einer Frühgeburt steigt.

Können sich die Arbeiter vor dem Nikotin schützen?

Einige Studien2 zeigen, dass Händewaschen und das Tragen von Schutzkleidung, vor allem Handschuhen, die Aufnahme von Nikotin senken. Dennoch sind die meisten Arbeiter bei der Tabakernte nach wie vor ungeschützt. Es sollte einerseits darauf geachtet werden, dass auf Tabakplantagen Schutzkleidung und Waschmöglichkeiten zur Verfügung zu stehen. Andererseits müssen die Arbeiter über die gesundheitlichen Risiken des Hautkontakts aufgeklärt werden, damit sie nicht wegen der Hitzeentwicklung unter der Schutzkleidung oder der herabgesetzten Fingergeschicklichkeit in Handschuhen das Tragen von Schutzkleidung und das konsequente Waschen der kontaminierten Hautpartien unterlassen.

Mehr über die Situation der Tabakbauern unter "Eine neue Form der Sklaverei".

Quellen:

Nicotine Exposure and Decontamination on Tobacco Harvesters' Hands by Bryan d. Curwin, Misty J. Hein, Wayne T. Sanderson, Marcia G. Nishioka und Wayne Buhler, Ann. Occup. Hyg.. Vol. 49, No 5, pp. 407-413, 2005. Published by Oxford University Press 2005

Green tobacco sickness by John S McBride, David G Altman, Melissa Klein and Wain White, Tobacco Control 1998;7;294-298

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1 Synapse: Verbindung zwischen zwei Zellen, an der über Botenstoffe, die von der einen Zelle in den Spalt zwischen den beiden Zellen abgegeben und von der anderen wieder aufgenommen werden, Signale weitergeleitet werden. Die zweite Zelle kann dabei entweder aktiviert oder gelähmt werden. Das Nikotin wird wie ein Botenstoff aufgenommen.

2 Nicotine Exposure and Decontamination on Tobacco Harvesters' Hands von Bryan d. Curwin, Misty J. Hein, Wayne T. Sanderson, Marcia G. Nishioka und Wayne Buhler, Ann. Occup. Hyg.. Vol. 49, No 5, pp. 407-413, 2005. Published by Oxford University Press 2005